Mögen Sie Lobbyisten?
Sagen Sie, mögen Sie eigentlich Lobbyisten? Nein? Ehrlich gesagt, ich auch nicht! Der „(ständige) Versuch/Zustand der Beeinflussung von Abgeordneten durch Interessengruppen“ ( Definition des Duden) hat ein „Gschmäckle“. Und das zu Recht, wie ich finde, denn so wertvoll gute Information, so verwerflich ist Beeinflussung in einem demokratischen System. So eindeutig sah ich das jedenfalls, bis zu jenem Tag, an dem ich Peter traf. Denn Peter ist (frei nach Erich Kästner) ein Lobbyist. Und zwar ein ganz besonderer. Peter ist Aufsteller.
Was stellt Peter denn auf?
Was, werden Sie nun fragen, stellt er auf? Straßenverkehrsschilder? Stellwände? Kartenhäuser? Mitnichten und mitneffen! Peter leitet systemische Aufstellungen an, das heißt, er lässt innerhalb von Gruppenseminaren vorhandene Systeme von den Teilnehmenden (oftmals bis dato einander völlig fremde Menschen) „stellen“. Dazu werden einzelne Mitglieder oder Komponenten eines komplexen Struktursystems, z.B. einer Firma oder einer Familie, durch StellvertreterInnen aus der Gruppe vertreten und im Raum aufgestellt, um die Beziehungsdynamik innerhalb des betreffenden Systems sicht- und damit „begreifbar“ zu machen. Auf diese Weise eröffnet sich ein energetisches Feld, in dem dysfunktionale Strukturen deutlich wahrnehm-, ja tatsächlich sicht- und spürbar werden.
Von Dingen, Sachverhalten und Zusammenhängen zur Familiengeschichte
Sie sind Skeptiker? Bezeichnen sich als Realist und winken jetzt verächtlich ab, weil sie mit solchem Kokolores nichts zu tun haben wollen? Sie sind nicht auf dem Eso-Trip, sagen
Sie?
Nun, ich kann Sie gut verstehen, denn auch ich war zunächst skeptisch! Allerdings habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, anzuerkennen, dass es in diesem unserem Universum unendlich viele Dinge,
Sachverhalte und Zusammenhänge gibt – ja, geben muss! – die nicht nur ich, sondern auch die gesamte Wissenschaft nicht erklären kann. Das macht mich vorsichtig – und neugierig! Und so habe ich es
ausprobiert und mein persönliches Wunder erlebt! Wie auch immer diese Wirkung zu erklären sein mag (und es gibt mittlerweile zumindest einige groß angelegte Untersuchungen, welche die Wirkung der
Methode empirisch belegen konnten und die Quantenphysik liefert inzwischen auch Erklärungen dafür), sie hat meinen Blick auf kritische Aspekte meiner Familiengeschichte so zu verändern vermocht,
dass ich mich heute beispielsweise von der zerstörerischen Wirkung ererbter Kriegstraumata erfolgreich zu distanzieren vermag. Entscheidende Bedeutung kommt dabei der ruhigen, sicheren Atmosphäre
zu, die bei einer solchen Aufstellung entsteht, und es möglich macht, aus diesem geschützten Setting heraus auch in furchtbarste, schmerzhafteste Abgründe blicken zu können, ohne überwältigt zu
werden.
Aufstellungsarbeit ist Lobbyarbeit für die Seele
Was da denn nun eigentlich passiere, fragen Sie? Und was das Ganze mit Lobbyismus zu tun habe? Nun, es mag Sie vielleicht verwundern, wenn ich sage: Aufstellungsarbeit ist Lobbyarbeit für die Seele! Sie bekommt dort den Not-wendigen Raum und erfährt besondere Wertschätzung! Das ist im Grunde nichts Neues, denn bereits vor Tausenden von Jahren schenkten kluge Menschen der Seele viel Beachtung. So verfasste beispielsweise Aristoteles eine Abhandlung in nicht weniger als drei Bänden unter dem Titel „De Anima“ (Von der Seele). Und bis heute findet der Volksmund vielerlei wertschätzende Ausdrucksweisen: zwei Menschen seien „ein Herz und eine Seele“, oder jemand tue etwas „mit Leib und Seele“. Dennoch haftet dem Begriff etwas Altertümliches, Verstaubtes an. In Zeiten zunehmender Säkularisierung und politischer Dominanz von Gewinn- und Machtoptimierung scheint die Seele irgendwie aus der Zeit gefallen und vergessen worden zu sein. Nachdenklich machen sollte jedoch die wachsende Zahl von Menschen, die in diesem – ich nenne es bewusst provokant – „seelenlosen System“ nicht mehr „wie gewünscht funktionieren“, sondern beispielsweise durch Burnout, depressive Episoden, Verhaltensoriginalitäten oder auch die Entwicklung fragwürdiger, menschenfeindlicher ethischer „Maßstäbe“, auffällig werden…
Die Seele hat heute viel zu wenig Lobby - es ist undemokratisch
Nein, ich will nicht behaupten, dass Aufstellungsarbeit die Lösung aller Probleme sei, gewiss nicht. Allerdings vermag sie im berühmten Kleinen einen signifikanten Beitrag zu leisten, indem sie dem Menschen als Ganzheit Raum gibt: als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Die Seele, das „lebensspendende Prinzip im Menschen“ (Dorsch: Lexikon der Psychologie) hat – so meine ich - heutzutage viel zu wenig Lobby. Und das ist nicht nur undemokratisch, weil die Würde des einzelnen Menschen dadurch verletzt wird, sondern es ist nachgerade fatal, da entmenschlichend und somit lebensfeindlich.
Raum für Leben - Raum für Frieden - Echte "Soolfood"
Deshalb also sind Aufsteller wie Peter die einzigen Lobbyisten, die ich wirklich uneingeschränkt mag und auch Ihnen aus tiefster Seele ans Herz legen möchte: hier hat die Seele eine Lobby – und dieser Umstand schafft Raum für Lebenswert. So habe ich am vergangenen Wochenende das Aufstellungsseminar, in das ich innerlich zerrissen und voller quälender Unruhe hineingegangen war, am Ende in großem innerem Frieden wieder verlassen dürfen, beseelt von dem Wunsch, diese erlebenswerte Erfahrung zu teilen. Und ich kann Ihnen sagen, ich bin durchaus optimistisch, denn neuerdings ist z.B. „Soulfood“ ein Ding. Und da ist er ja nun doch wieder, der Begriff der Seele, wenn auch in englischem Gewand!
Das ist eines der Geheimnisse des Lebens
Sie fragen, was ich jetzt vorhabe? Nun, ich werde es mir mit einem guten Buch und meiner Lieblingsmusik auf der warmen Ofenbank gemütlich machen und meine Seele baumeln lassen! Übrigens lese ich gerade „The picture of Dorian Gray“ von Oscar Wilde, der dort schreibt:
“That is one of the secrets of life - to cure the soul by means of the senses, and the senses by means of the soul.”
Das ist eines der Geheimnisse des Lebens – die Seele mit Hilfe der Sinne zu heilen und die Sinne mit Hilfe der Seele.
Ingrid R. Sievers, Kirchbarkau am 6. Januar 2026
DANKe für deine Meinung Ingrid!
Für mich kam der Text überraschend per eMail zu mir. Spontan bot ich Ingrid an, den Beitrag als ersten Gastblogeintrag auf meiner Website zu platzieren. Dieser berührende Dialog, so humorvoll und
tiefsinnig ist frei nach Ingrid R. Sievers.
Ich DANKe vom HERZen für die WERTschätzung und deine ZEIT den Beitrag "Lobby für die Seele" zu schreiben!
HERZ l ICH willKOMMen!
Beste IMPULSe aus dem HERZen von Holstein
und eine GLÜCKliche 2026-ZEIT!
Peter Köstel
Entwickler. Aufsteller. Brückenbauer.

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Martina (Dienstag, 13 Januar 2026 12:12)
Oh ja, das ist gut getroffen. Ich sage immer, ich mache wieder Seelenarbeit und eben fiel mir noch das Wort "Seelenheil" ein. Du bist ein Lobbyist für das Seelenheil. Dem stimme ich voll zu! Herzliche Grüße
Anne (Donnerstag, 15 Januar 2026 18:49)
Ein wundervoller Text und JA auch ich finde den Begriff „Lobbyist für die Seele „ sehr passend. Auch ich habe bereits durch die Aufstellungsarbeit viele Erkenntnisse und somit ein Stück Heilung meiner Seele erfahren.. Ich kann es jedem empfehlen, der offen und neugierig dafür ist !
Karen (Sonntag, 18 Januar 2026 17:22)
Hallo lieber Peter,
was für ein wunderbarer Text!!!! So treffend und mitreißend formuliert.
Ein Meisterstück.
Endlich auch eine Veranschaulichung, was Aufstellung ist und was es bewirkt.
Toll!
Ich wünsche dir und Angela ein schönes Wochenende.
Lasst es euch gutgehen. Alles Liebe �